Oh, wie schön ist Panama oder warum Tiger und Bär Glück hatten…

Janosch- Oh, wie schön ist Panama

Geprägt durch Janosch´s Tiger und Bär Geschichte kam auch ich mit einer paradiesischen Erwartungshaltung an Land und Leute nach Panama. Fünf Tage in der Hauptstadt Panama City haben mich dann aber schnell auf den Boden der Realität geholt.

Die Botschaft Janoschs, dass das Paradies oft vor der eigenen Haustür liegt und auch weniger gute Phasen durch nette Begegnungen in der Fremde versüßt werden können, teile ich!


Ursprünglich stand Panama gar nicht auf der Liste der von uns favorisierten Länder. Erst im Rahmen eines Zwischenstop auf dem Flug nach Ecuador wurden wir von den Plakaten vom Panama-Kanal nebst gigantischer Erweiterungsbaustelle motiviert ein paar Tage dort zu verweilen. Wie so oft in den vergangen Monaten war die Botschaft ein sehr hilfreicher Partner in Bezug auf Kontakte mit Land und Leuten. So hatte Dirk an drei von fünf Tagen die Möglichkeit zu einem Vortrag. Damit war die Zeit gut gefüllt und hat uns wieder viele interessanten, spannende und anregende Begegnungen beschert. Zudem waren wir – obwohl in Panama City – auch ein paar Stunden in Deutschland. Aber dazu später mehr…

Zeitgleich mit unserer Ankunft startete in Panama die Regenzeit „Invierno“ (daher sind die meisten Bilder auch mehr wolkig als heiter). Sie dauert von Mitte April bis Anfang Dezember. Die Panamnesen verbringen also etwa 3/4 des Jahres im Regen mit subtropischen Temperaturen. Vielleicht ist das der Grund, warum uns die meisten Bewohner der 1,5 Millionen Stadt eher gleichgültig begegnet sind. Parallel zu der eigenartigen Stimmung waren die unverhältnismäßig hohen Preise für Lebensmittel und Unterkunft ebenfalls wenig einladend. Auch hier erlebten wir leider wieder die in Lateinamerika oft vorhandene Abzocke beim Taxi fahren.

Das man beim Bereisen von lateinamerikanischen Ländern sein „deutsches Denken“ vielfach ausschalten muss, darüber bin ich mir bewusst. Aber in keinem anderen Land unserer bisherigen Reise ist mir das so schwer gefallen wie in Panama City. Zum Beispiel war das Hotelfrühstück für 6 Uhr angesetzt. Angesetzt heisst hier aber noch lange nicht angerichtet. Die Kellner verfolgten täglich die Devise: „nur nicht zu viel auf einmal tragen, immer nur Teil für Teil und die Utensilien bloß nicht in einer sinnvollen Reihenfolge auftischen“. So kam beispielsweise erst der Zucker, dann Löffel, dann der Kaffee und irgendwann auch mal Tassen. Dazwischen wurde noch eine Handvoll Besteck poliert, eine Weile in den Fernsehern geschaut und die Küche auch einfach mal ohne bestimmten Grund betreten oder auch verlassen. Von Engagement und Gastfreundlichkeit fehlte jede Spur. Vielleicht hatten wir aber auch nur Pech mit dem Hotel.

Am meisten ärgerte mich der fehlende Ehrgeiz, die Neugier auf das Leben und auf  Veränderung. Auch junge Angestellte schienen lieber durch den Tag und ihre jeweilige Tätigkeit zu dümpeln, als ihre Situation zu verändern. Es gelingt mir einfach nicht meine Erziehung so weit zu verdrängen, dass mich dieses Verhalten und diese Einstellung nicht stören.

Ein Blick auf die Skyline von Panama City.  Wer nach Einbruch der Dunkelheit ein Lichtermeer erwartet wird erneut enttäuscht, denn auch hier stehen viele Etagen in den grauen Giganten leer. Immobilien sind auch in Panama ein lohnendes Investment mit viel Spekulationen und wie man vermutet nützlich zur Geldwäsche von kolumbianischen Drogengeldern. Ende der 1970er Jahre haben sich viele internationale Banken in Panama City angesiedelt. In kaum einer anderen Stadt der Welt gibt es mehr Banken, inzwischen sind es etwa 104 Niederlassungen.

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Der F&F Tower – ein Bürogebäudekoplex mit insgesamt 56 Etagen und ca. 243 Meter Höhe
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Diese Bucht wäre abgesehen vom bewölkten Himmel vielleicht ein netter Ort zum verweilen….
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…wäre da nicht ein paar Meter weiter dieser Anblick… Es hat ziemlich übel gerochen und bei der Ansammlung von so viel Plastik-Müll denke ich nur: „Shame on us“!
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die historische Altstadt Panama City´s wird teilweise renoviert, ein großer Teil der Bauten ist aber sehr zerstört und verfallen
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an vielen Stellen sieht man bröckelnde Fassaden und vermüllte Eingänge…

Bei aller Alltagstristesse gab es aber auch eine, vielleicht sogar DIE Besonderheit in der Stadt (neben den netten Begegnungen mit einigen netten Menschen)

Den Panama-Kanal!

Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk und wesentliche Einnahmequelle für Panama. Eine Statistik von 2000 spricht von Staatseinnahmen durch den Kanal von rund 200 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Gemessen an den Lebensverhältnissen während seines Baus im 19. Jahrhunderts ist der gigantische Kanal für mich noch faszinierender. Eine 82 Kilometer lange Wasserstraße, die Atlantik und Pazifik verbindet. 1914 eröffnet, hat der Bau dieses Großprojekts etwa 11 Jahre gedauert und über die gesamte Zeit ca. 28.000 Menschenleben durch Krankheit (z.B. Malaria und Gelbfieber) und Unfälle gefordert. Unglaublich! Und heute wechseln im 24 Stunden Betrieb etwa 40 Frachter, kleine Boot und Segelschiffe und gelegentlich auch Kreuzfahrtschiffe mal „schwups“ den Ozean. Die Passagegebühren sind nach einer komplexen Gebührentabelle festgelegt. Abhängig von der Größe des Schiffes und seiner Beladung werden noch diverse Nebengebühren für Lotsen, Pasacables, Lokomotiven und Schlepper fällig. 74 US-Dollar für einen Standardcontainer und 134 US-Dollar pro Passagier-Bett gelten als „Basispreise“. Die Kosten für ein vollbeladenes Containerschiff können so schnell mal ca. 350.000 US-Dollar betragen zuzüglich der „Nebengebühren“. Die kostensparende Parole vor Einfahrt heisst also: „alle Mann von Bord!“ 

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Die Einfahrt in die zweite Schleuse. Hinten rechts kann man schon das Kreuzfahrtschiff erkennen welches auf den folgenden Photos zu sehen ist.
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Die Mehrzahl der Schiffe sind Frachtschiffe
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Sehr selten durchquert mal ein Kreuzfahrtschiff den Kanal. Bei Kosten von bis zu 400.000 US-Dollar verständlich. Wir konnten dieses seltene Schauspiel bestaunen.
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Mehrere kleine Boote und Segelschiffe auf der rechten Seite. Sie teilen sich die Kosten für die Durchfahrt. Hier die letzte Schleuse (Ausfahrt) und schwups mal den Ozean gewechselt.
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Erinnerungsphoto – im Hintergrund die MS Westerdam

Am Schluss waren es auch hier die Begegnungen mit ein paar netten und interessanten Menschen, die unsere Tage besonders gemacht haben. So hatten wird beispielsweise dank der hervorragenden Organisation von (an dieser Stelle gern noch einmal genannt) Ben Cardoze das Glück den deutschen Botschafter Herr Sausen zu treffen. Bereits am ersten Tag hielt Dirk seinen Vortag auf deutschem Hoheitsgebiet und so konnten wir, wie oben erwähnt, Mitten in Panama City ein paar Stunden auf deutschem Boden verbringen.

Bei einheimischen Kaffee und original bayrischen Brezeln gab es Gelegenheit mit den Mitarbeitern der Botschaft und deutschen Auswanderern zu plaudern. Wirklich ein schönen Tag!

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Botschafter Sausen (Mitte) mit Ben Cardoze (links) und Dirk

Von Panama ging es dann direkt weiter auf die Isla de la Revolution- nach Kuba.
Mehr dazu im folgenden Kuba-Blog von Dirk……

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